Über Wunden

Vieles war,
Manches ist
Überwunden,
Wie viel,
Nach wie vielen beschwerten Stunden,
Kann ich nicht sagen;
Nur in erleichterten Stunden
Leichte Worte wagen.

Und nur so viel:
Was erscheint männlich
In Aussehen und Betragen,
Ist, nicht anders als weiblich,
Der Schein, den wir nach Außen tragen;
Eine Beschreibung von Formen und Rollen,
In die wir geschlüpft werden
Oder gerne schlüpfen, im Spiel,
Im lustvollen Tollen.

So wollen wir uns erden,
Den Blitz ableiten,
Ehe uns der Donner grollt;
Der Gott des Sturmes und des Zweifels,
Der unserem Handeln Fragen zollt;

Vor allem die eine Frage nach dem All:
Soll’s dies gewesen sein?
Und wir darin, so allein?
Ist dieser Fall wie jeder Fall?

Höre, aber fürchte nicht,
Des Zweifels Widerhall!
Teile Deine Geschichte,
Zeige Dein Gesicht,
Den Menschen, die dich sehen sollen
Die Dich wirklich,
In geteilter Wirklichkeit Sehen wollen.

Ums Männerglied drehe sich die Welt;
Bestückt mit den selben Teilen,
Durch die, jedoch in anderer Form,
Sich auch das der Frau gefällt.

Unweigerlich ist dieses Teilen
Von Last wie Lust,
Kann sie verweilen
Anstatt zu fliehen, von einem
in den nächsten Frust.

Wir blicken alle auf das Selbe,
Auf Gelüste wie auf Schwierigkeiten,
Von verschiedenen Gesichtern aus.
Lässt es uns staunen oder streiten,
Gemeinsam, machen wir daraus
Die eine Gemeinsamkeit,
Unheil oder Heiligkeit.

Gemeinsam drehen wir uns,
Um die selben Fragen,
Auch wenn wir sie nicht wagen –
Auszusprechen, was an Wahrheit
In uns liegt:
Als Geschenk die Klarheit
Im Augenblick der Erkenntnis,
Die im Spiegel der Anderen verborgen liegt.

Gemeinsam drehen sich Frau und Mann
Um das selbe Glied,
Weil man seines besser sehen kann
Und doch nicht sieht,
Was, nach schneller Leichtigkeit der Lust,
In erdenschwerer Verborgenheit geschieht.
Letztlich teilen sie auch diesen Frust –
Der, ungleich in Raum und Zeit,
Dennoch im Gemeinsamen kollidiert.
Man spürt: Es ist bald wieder so weit;
Fragt dennoch irritiert:
Was ist eigentlich passiert?

Mensch macht es sich einfach Schwer.
Hast Du Lust,
Dann gib sie her.
Du kannst sie Dir schenken
Oder an andere denken.

In all Deinen Rollen und Formen
Täusche Dich nicht:
Es gibt nur eine Lebens-Energie,
Sie wirft Schatten wie auch Licht,
Gleichsam auf alle Geschlechter
Und ihre Bauteile.
Der augenscheinliche Unterschied
Ist kein echter;
Die echten heißen Zögern und Eile.

Berührung und Bewegung
Der Körper in Verschiedenheit,
Der Techniken und Geschmäcker,
Hindern nicht die Einigkeit.
In Anderen sich zu finden,
Die eigene Kraft,
Die eigene Lust dort zu empfinden,
Ist Schenken, nicht Besitzen,
Begleiten, nicht Benützen.
Lust mitzuteilen,
Lust zu unterstützen
Ist der Benefit der Freundschaft.
Die Liebe ist sowieso
Die alles Gute durchringende Kraft.

Wer sich selbst nicht kennt,
Kann andere nur beschwerlich erkennen.
Wer nur der Lust anderer nachrennt,
Kann seine eigene schwer benennen;
Und die unerkannte Energie
Verliert sich irgendwo und irgendwie,
Mit einem Ziele, aggressiv und blind,
Selbstvergessen, zu geschwind,
Und findet sein Ziel dennoch nie.

Sich anderen zu öffnen, bedeutet
Bei sich anzukommen
Und setzt es voraus zugleich.
Bescheidenheit macht reich.
Nichts wird erbeutet,
Nichts wird genommen,
Wenn man weiß und will,
Anzunehmen und zu geben
Jenes Gefühl,
Das uns gemeinsam erfüllt im Leben.

So bei sich bleibend,
Kann man sich gehen lassen;
Selbstbewusst weilend wie eilend.

Liebe macht nicht blind.
In ihr erblindet nur der falsche Spiegel,
Bricht das gefürchtete Siegel
Auf heimlichen Briefen,
Geprägt durch jene, die ihr Leben lang,
Nur nach Liebe riefen.

Gemeinsamkeit
In der Verschiedenheit,
Dabei Verallgemeinerung
Und gewaltsame Trennung,
Über viele Wunden
Und deren Heilung,
überwunden.

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