Fehlender Feminismus & fehlende Gründe im Wahlkampf

Artikel für das YoniLove Project vom 11.Oktober.2017

Auszug:

Konservative Politik des Frauenkörpers

So sprechen Konservative wieder davon, die Familie schützen zu wollen – und meinen damit ihr konservatives Kernfamilienverständnis: in dem die Frau durchaus emanzipiert sein darf, wenn sie beruflich erfolgreich ist (genug Geld verdient, es sich also leisten kann) und solange sie sich trotzdem mehrheitlich um Kinder, Alte, Kranke, Haushalt und Haustiere kümmert.
Gemeinsam mit den Nationalisten, fordert z.B. die österreichische Volkspartei härtere Strafen bei Gewaltdelikten (wurden unlängst verschärft, bringen nachweislich nichts), wobei sich Frauen politisch einfach mitgemeint fühlen sollen. Mann schütze „unsere“ Frauen vor den bösen Männern aus der Fremde. Gewaltpräventionsmaßnahmen, die auch vor den bösen Männern daheim schützen könnten, werden hingegen nicht erwähnt. Es ist auffällig: Sofern bei der politischen Rechten ein Diskurs über das Weibliche stattfindet, wird er im Wesentlichen auf den weiblichen Körper reduziert. Wenn er nicht vor Fremdzugriffen geschützt werden müsse, dann solle seine Rolle für Mutterschaft und Haushalt „gefördert“ werden.

Die Vielfalt des Femininen wahrnehmen

Frausein bedeutet auch nicht überall das Selbe; weiblich zu sein bzw. eine ausgeprägte Femininität zu besitzen, ebenso wenig. Auch Lesben sind Frauen. Ihre Rechte waren bisher genauso wenig Wahlkampf-Thema wie die von Trans- oder Intersexuellen. Und schwulen und bisexuellen Männern wird, vor allem von den „echten Männern“ des rechten Abendlandes, in der Regel zu viel Feminines (diese als Schwäche verstehend) zugeschrieben, ohne sie deshalb vor übergriffigen Fremden beschützen zu wollen – oder vor dem eigenen homophobischen Hass.
Es sind dieselben Parteien, die Frauenpolitik als Verwaltung des Frauenkörpers verstehen, die sich zugleich gegen die Rechte für die LGBTI-Gemeinschaft stemmen – z.B. gegen die „Ehe für alle“. Die ging in Deutschland durch. In Österreich wird sie von den zwei aussichtsreichsten Spitzenkandidaten abgelehnt, bzw. ignoriert.

Diese Probleme hängen alle miteinander zusammen. Zu wenig wurde im Wahlkampf darüber gesprochen, dass wir mehr Frauenhäuser brauchen. Österreichs Frauenministerin, Pamela Rendi-Wagner (SPÖ), will zumindest den Kampf gegen sexistische Gewalt im Internet unterstützten.
Die Politik muss aber auch die Frage diskutieren, woher die Gewalt gegen Frauen, das Feminine, die Weiblichkeit in seinen verschiedenen Formen, auf verschiedenen Ebenen, Bildungs- und Einkommensstufen, Milieus und Medien kommt. Was ist der Grund dafür? Warum leben wir – auch im wohlhabenden deutschsprachigen Raum – in einer Welt, in der das Feminine im Allgemeinen ständigen Angriffen oder Behinderungen ausgesetzt ist?

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